Komplementäre Krebstherapie

Neben der klassischen Krebstherapie der Schulmedizin setzt sich zunehmend ein weiteres Behandlungsverfahren durch: die komplementäre Krebstherapie. Sie stellt heute die vierte Säule der Krebstherapie, die die konventionellen drei Therapien Operation, Strahlen- und Chemotherapie ergänzt.

Krebs Diagnose und Therapie

Als ganzheitliches Therapiekonzept wird sie auf jeden Patienten individuell abgestimmt. Durch die komplementäre Krebstherapie wird eine bessere Lebensqualität erzielt sowie ein verbessertes Ansprechen und verringerte Nebenwirkungen der tumorzerstörenden Strahlen- oder Chemotherapien. Damit schließt die komplementäre Behandlung eine therapeutische Lücke, sobald die klinischen Behandlungen beendet sind und die Phase der Nachsorgeuntersuchungen beginnt.

Therapeutische Ansätze

Die komplementäre Krebstherapie setzt auf Behandlungen, die das Immunsystem und die Psyche des Patienten so stärken, dass der Krebs überwunden werden kann. Die wichtigsten therapeutischen Ansätze hierfür sind

  • Stabilisierung der Psyche
  • Körperliche Bewegung
  • Ernährung und Stoffwechselumstellung
  • Stimulation des Immunsystems

Diese Therapieansätze sind im Prinzip für alle Patienten gleichermaßen geeignet und erweitern und ergänzen die Behandlung vor, während und nach der Anwendung der konventionellen Therapien. Sie sorgen dafür, dass das Fortschreiten und die Rückfallrate des Tumors positiv beeinflusst werden. Der behandelnde Mediziner sollte immer bei der Auswahl der richtigen und sinnvollen Therapien mitwirken.

Immunstimulation

Die Immunstimulation besitzt einen hohen Stellenwert im Rahmen der komplementären Krebstherapie. Sie verwendet verschiedene biologische Immunstimulantien, um die Symptome der Krankheit an sich und die Nebenwirkungen der konventionellen Therapien zu lindern. Zur Immunstimulation gehören unter anderem die folgenden Therapieansätze:

  • Misteltherapie
  • Thymustherapie
  • Vitamin-Zugaben
  • Ozontherapie

Mit einer Immunstimulation soll die Lebensqualität des Patienten verbessert werden, die Heilung wird unterstützt und Infektionen werden vermindert. Insbesondere zur Mistel- und zur Thymustherapie gibt es umfangreiche Wirksamkeitsstudien.

Misteltherapie

Misteltherapie

Bei der Misteltherapie werden die Präparate in Form von Mistelextrakten immer direkt unter die Haut gespritzt. Tabletten oder Kapseln zur Einnahme sind nicht erhältlich. Die Dosis der ersten Injektionen ist nur sehr gering und wird langsam gesteigert, bis eine lokale Reaktion in Form einer Rötung an der Einstichstelle zu sehen ist. Diese „Nebenwirkung“ zeigt an, dass das Immunsystem auf das Präparat reagiert.

Jeder Patient reagiert individuell auf die Misteltherapie. Bleiben die gewünschten Reaktionen aus, sollte ein anderer Mistelextrakt probiert werden. Sind die Reaktionen zu heftig, muss bei der nächsten Spritze die Dosis reduziert werden. Deshalb sollte die Injektion immer unter Aufsicht erfolgen.

Während der Misteltherapie konnte eine Vermehrung und Aktivierung der Abwehrkörper wie Makrophagen, Ganulozyten und natürlicher „Killerzellen“ nachgewiesen werden. Ebenso werden vermehrt Botenstoffe der Abwehrzellen und Endorphine ausgeschüttet. Damit wird das Immunsystem angeregt, den Krebs zu bekämpfen.

Thymustherapie

Für die klassische Thymustherapie werden ebenfalls Injektionen verabreicht, jedoch nicht subkutan, wie bei der Misteltherapie, sondern in den Gesäßmuskel. Dazu werden 15 bis 20 Spritzen über einen Zeitraum von 2 bis 5 Wochen gegeben. Der verabreichte Thymusextrakt wird in der Regel aus der Thymusdrüse junger Kälber gewonnen. Für die Thymustherapie gibt es verschiedene Darreichungsformen: So ist neben der Injektion auch eine Tabletteneinnahme möglich.

Thymusextrakt als Injektion und Tabletten

Die Thymustherapie soll die Bildung und Aktivierung von krebsabwehrfähigen T-Lymphozyten und anderen Abwehrzellen anregen und so das Immunsystem stimulieren, ein Gleichgewicht zwischen den Helferzellen und den Suppressorzellen zu halten. Die Rückfallrate und das Metastasenrisiko sollen so deutlich verringert werden.

Da die verwendeten Thymus-Peptide denen ähneln, die jede Thymusdrüse selbst produziert, sind diese Wirkstoffe gut verträglich. Selten treten Rötungen oder Juckreiz an der Einstichstelle auf, die in aller Regel aber nach kurzer Zeit wieder abklingen.

Sowohl bei der Mistel- als auch bei der Thymustherapie sollte der Immunstatus des Patienten regelmäßig untersucht werden, damit die Wirksamkeit der Therapien überprüft und die Behandlung gegebenenfalls optimiert werden kann.

Vitamin-C-Hochdosisgabe

Vitamine spielen eine entscheidende Rolle in der Tumorprävention, gleichzeitig ist ihr Einsatz in der Tumortherapie ein vielversprechender Ansatz. Insbesondere Vitamin C ist das am häufigsten angewandte Vitamin in der komplementären Krebstherapie.

Bei hochdosierten Vitamin-C-Infusionen wurden folgende Effekte bei Krebspatienten beobachtet:

  • Verlängerung der Überlebensheit
  • Verringerung der Metastasenbildung nach Operationen
  • synergetische Wirkung mit Chemotherapien
  • Verbesserung des Allgemeinzustands
  • schmerzlindernde Wirkung

Diese Effekte steigern die Lebensqualität der Patienten beträchtlich.

Hochdosierte Vitamin-C-Gaben werden verabreicht, um den Vitamin-C-Mangel, der häufig durch Strahlen- und Chemotherapie verursacht wird, zu beheben. Dadurch erhöht sich zudem die Strahlentoleranz des Patienten. Der Ausgleich eines Vitamin-C-Mangels führt zeitgleich zu einer Stärkung des Immunsystems, was wiederum äußerst vorteilhaft auf die Behandlung des Tumors wirkt.

Sauerstoff-Ozon-Therapie

Ozontherapie als komplementäre KrebstherapieIn der hämatogenen Oxidationstherapie (HOT) wird das Blut des Patienten mit Ozon versetzt, sodass der abwehrgeschwächte Organismus besser mit Sauerstoff versorgt wird. Diese Therapie regt die Durchblutung an und schützt gesunde Zellen insbesondere vor Strahlenschäden. Auch soll durch eine Ozontherapie die Wirksamkeit von Strahlen- und Chemotherapien verbessert werden.

Oft wird in der komplementären Krebstherapie auch die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT) eingesetzt. Bei dieser Sauerstofftherapie atmet der Patient mit Sauerstoff angereicherte Luft ein.

Beide Sauerstofftherapien werden vor, während und nach der Behandlung der konventionellen Therapien zur Stärkung des Immunsystems angewandt. Außerdem können sie die Behandlung mit Mistel- oder Thymustherapie ergänzen.